New Paths to Inclusion

 “New Paths to Inclusion“  war ein europäisches Leonardo-Projekt, das im Rahmen der Initiative Lebenslanges Lernen von der Europäischen Union von Oktober 2009 bis Oktober 2011 gefördert wurde. Es hatte zum Ziel die Inklusion von Menschen mit Behinderungen durch einen personenzentrierten Ansatz zu fördern. 

Inklusion bedeutet, dass alle Menschen in einer Gemeinde in allen Bereichen des Lebens wie z.B. Bildung, Arbeit, Wohnen, Freizeit teilhaben und ein selbstbestimmtes Leben führen können. Menschen mit Behinderungen sind immer noch häufig von regulären Aktivitäten in ihrem Gemeinwesen ausgeschlossen und von der Unterstützung von Einrichtungen abhängig, die meist noch wenig personenzentriert arbeiten. Die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen verbrieft das Recht von Menschen mit Behinderungen in allen Bereichen des Lebens teilhaben zu können und fordert die Bereitstellung einer Bandbreite von personen-zentrierten ambulanten Diensten vor Ort. 

Ansätze personenzentrierter Planung wurden innerhalb der letzten 30 Jahre in den englischsprachigen Ländern entwickelt (vgl. O’BRIEN/ O’BRIEN 2000), um Menschen mit Behinderung zu unterstützen, ein selbstbestimmtes Leben im Gemeinwesen zu führen. Im deutschsprachigen Raum wurden die Ansätze unter dem Begriff „Persönliche Zukunftsplanung“ seit Mitte der 1990‘er Jahre bekannt (vgl. VON LÜBKE 1994, DOOSE 1996/2011). 

Dennoch gibt es international weiterhin bestimmte Barrieren zur breiten und effektiven Umsetzung personenzentrierter Ansätze, die im Projekt “New Paths to Inclusion” aufgegriffen wurden: 

  • Das Fehlen koordinierter, langfristiger, zertifizierter Weiterbildungen in diesem Bereich.
  • Die unzureichende Umsetzung personenzentrierter Ansätze bei Einrichtungen.
  • Das Fehlen nachhaltiger Unterstützungsstrukturen für eine personenzentrierte Praxis auf regionaler und nationaler Ebene.

Projektdesign

Zielsetzung des Projektes

Die Zielsetzungen des Projektes “New Paths to Inclusion” waren 

  • Die neusten Entwicklungen und Erfahrungen in personenzentrierter Planung von Großbritannien zu den Partnerorganisationen nach Österreich, Deutschland, der Tschechischen Republik, der Slowakei, Italien und Luxemburg zu transferieren und 
  • eine modulare, inklusive Weiterbildung in personenzentrierter Planung und Praxis zu entwickeln, um die Entwicklung einer personenzentrierten Praxis in den beteiligten Organisationen und Ländern anzuregen.

 

Die Partnerschaft

Die Partnerschaft umfasste veränderungsbereite Dienste und Einrichtungen, die gewillt waren ihre Dienstleistungen stärker personenzentriert auszurichten, berufliche Bildungs- und Weiterbildungseinrichtungen, Leistungsträger, Selbstvertretungsorganisationen, Forschungseinrichtungen und Dachverbände auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene als strategische und operative Partner. Die operativen Partner waren: 

  • Berufliche Bildungs- und Weiterbildungsorganisationen, die auch als nationale Koordinatoren fungierten: Akademie der Lebenshilfe (Wien, Österreich), Fachschule für Sozialpädagogik (Lensahn, Deutschland) und QUIP – Vereinigung für Veränderung (Prag, Tschechische Republik)
  • Veränderungsbereite Dienste und Einrichtungen als Mitglieder des Beratergremiums: Balance (Wien, Österreich), Ostholsteiner Behindertenhilfe (Eutin, Deutschland), Rytmus (Prag, Tschechische Republik), Lebenshilfe Südtirol (Italien), APEMH (Luxemburg), Social Advisory Board (Bratislava, Slowakei). 
  • Forschungsorganisation mit Erfahrung in Persönlicher Zukunftsplanung: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Deutschland) 
  • Transfer-Experten in personenzentriertem Denken, Planen und Handeln: Helen Sanderson Associates (Großbritannien)
  • Organisation mit Erfahrungen in der Unterstützung von Online-Lernen und Lernplattformen: BIDOK (Innsbruck, Österreich)
  • Europäischer Dachverband: Inclusion Europe (Brüssel, Belgien)
  • Projekt Organisation: querraum (Wien, Österreich).

Europäische Weiterbildung in Persönlicher Zukunftsplanung 

Das Hauptziel des Projektes war es, eine inklusive, europäische Weiterbildung in Persönlicher Zukunftsplanung zu entwickeln und zu erproben. 

Die Weiterbildung für ModeratorInnen besteht aus sechs Modulen mit je ein- bis dreitägigen Seminaren. Die TeilnehmerInnen sollten in die Lage versetzt werden Persönliche Zukunftsplanungsprozesse zu begleiten und zu moderieren. 

Darüber hinaus gab es noch zwei zusätzliche zweitägige europäische MultiplikatorInnen-Seminare für jene TeilnehmerInnen, die als ReferentInnen für Persönliche Zukunftsplanung tätig sein und Veränderungsprozesse auf den unterschiedlichen Ebenen anstoßen wollten. 

Evaluation des Projektes

Die Evaluation der inklusiven Weiterbildung in Persönlicher Zukunftsplanung und des Projektes (HINZ/KRUSCHEL 2011) erfolgte durch Prof. Dr. Andreas Hinz und sein Team von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, die sich vielfältig mit personenzentrierter Planung und Praxis beschäftigt haben (vgl. u.a. HINZ/ FRIESS /TÖPFER 2011). Ein weiteres Ziel der Begleitforschung war es, einen ersten Überblick über die Verbreitung personenzentrierten Planens in Europa durch eine europaweite Umfrage zu bekommen. 

Transfer-Plattformen und Fachtage

Ein weiteres wichtiges Element des Projektes war die sogenannte Transfer-Plattform auf regionaler oder nationaler Ebene. Die Transferplattform diente der Einbeziehung und Information von weiteren Organisationen, die an dem Projekt und dem Thema personenzentrierte Planung und Praxis interessiert waren. 

In Deutschland bestand die Transfer-Plattform als regionale Plattform aus einem Netzwerk von 20 Partnern, die das Projekt unterstützt haben. 

Sie organisierten am 30.9.2010 den Fachtag  “Neue Wege zur Inklusion – Zukunftsplanung in Ostholstein” (http://www.personcentredplanning.eu/index.php?m=downloads&lang=de) mit 350 TeilnehmerInnen in Lensahn, auf der die ReferentInnen und TeilnehmerInnen der Weiterbildung ihre Erfahrungen teilten. 

In Österreich gab es organisiert von der Lebenshilfe Österreich seine Serie von großen Veranstaltungen der Transfer-Plattform mit jeweils über 100 TeilnehmerInnen aus dem ganzen Land zu verschiedenen Themen personenzentrierter Praxis wie z.B. Personenzentrierte Praxis in Großbritannien, Persönliches Budget, die Rolle der öffentlichen Fördergeber und Behinderteneinrichtungen in der Einführung personenzentrierter Praxis oder die Präsentation verschiedener Planungsprozesse durch die TeilnehmerInnen der Weiterbildung. 

In der Tschechischen Republik wurden eine Reihe der Methoden des Personenzentrierten Denkens und Planens auf der QUIP Konferenz für Veränderung in Prag präsentiert. 

Die Projektergebnisse wurden auch einem breiten europäischen Publikum auf der europäischen Tagung “Europe in Action” von Inclusion Europe in Zypern im Mai 2011 präsentiert. 

In jedem Land wurden die Projektergebnisse auf einer nationalen Tagung präsentiert, so auf der Abschlusskonferenz „Personenzentriertes Denken, Planen und Handeln“ am 13.09.2011 in Wien oder auf der Tagung „Weiter denken: Zukunftsplanung“ mit 450 TeilnehmerInnen vom 7.-8.Oktober 2011 in Berlin. 

Netzwerkbildung

Ein nächster Schritt ist es, Netzwerke auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene zu diesem Thema zu bilden, um den Praxisaustausch und die inhaltliche Weiterentwicklung von personenzentrierten Ansätzen zu fördern. In Österreich hat sich bereits ein Netzwerk Persönliche Zukunftsplanung Österreich formiert. In Norddeutschland gibt es als Ergebnis des Projekts regelmäßig regionale Netzwerktreffen. Ein deutschsprachiges Netzwerk Zukunftsplanung ist als Ergebnis der Berliner Tagung in Planung (www.facebook.com/persoenlichezukunftsplanung). 


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